Chaos.

Ver-rückt.

Alles ist anders.

Nichts mehr wie es war.

Alles wird anders.

Ver-sprochen.

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Axiom.

Das 1. Axiom.

Dein Kopf liegt auf meinem Schoß.

Meine Hand auf deinem Rücken.

Du atmest. Ich atme.

Der Zeiger der Uhr ist das Einzige, was sich bewegt.

Unaufhörlich dreht er seine Runden.

Du atmest. Ich atme.

Niemand kann uns hören.

Keine Worte verlassen unsere Münder.

Doch reden wir. Erzählen. Diskutieren. Streiten. Versöhnen uns.

Du atmest. Ich atme.

Der Zeiger wandert immer weiter.

Man kann nicht nicht kommunizieren.

Diese Tage.

Diese Tage.

Du machst den Wecker aus, um dich nochmal umzudrehen.

Dann fehlt dir plötzlich am Morgen eine halbe Stunde.

Das Wasser der Dusche wird kalt, das Licht im Bad flackert, du hast vergessen den Elektriker anzurufen.

Der Kaffee läuft aus der Maschine direkt auf die Arbeitsplatte, weil du keine Tasse darunter gestellt hast.

Mit wehenden Fahnen, Haaren die machen was sie wollen (was dir egal ist, dich guckt ja eh keiner an) und dem nicht ganz frischen Pullover (weil du keinen Antrieb hattest zu waschen) verlässt du ohne dein Mittagessen mitzunehmen das Haus.

Im Büro erwarten dich fröhlich gestimmte Kollegen, die nur darauf gewartet haben, dich ausgerechnet heute so richtig vollzuquatschen.

Außerdem ein wie immer eiskalter Fußboden, wegen dem du einen extra Heizofen abschalten musst, der sämtlichen Sauerstoff aus dem Zimmer verjagt, sowie ein nicht funktionierendes Computerprogramm.

Du fängst an alte Akten zu Schreddern statt deiner normalen Arbeit nachzugehen, deren Abgabefrist kontinuierlich weiter abläuft, ohne Rücksicht auf defekte Software.

Mittags isst du den 2 Monate alten Apfel, der irgendwo in deiner Schublade vor sich hin gammelte und hoffst auf ein Wunder der IT.

Jeder Anrufer geht dir auf den Sack, jeder Zettel, der auf deinem Tisch landet, stört dich. Beim Nichtstun. Beim Grübeln. Beim Leiden.

Du hetzt zur Schule, um ein muffeliges Kind abzuholen, dass dich mit einer weiteren schlechten Note beglückt und mitteilt Hausaufgaben gäbe es nicht.

Bei der Bank wird deine EC-Karte vom Automaten einbehalten, weil du dich diesen Monat verkalkuliert hast und Mitte des Monats nur noch ein bisschen weniger als nichts auf deinem Konto verfügbar ist.

Da hilft auch nicht die freundliche Post, die du zuhause aus dem Briefkasten zauberst, während das Kind über dein Bein rein ins Haus kraxelt und Ranzen und Jacke mitten im Flur von sich wirft, um sich direkt ohne Umwege mit dem Smartphone auf das Sofa zu pfeffern.

Du hast noch immer Mantel, Schal, Stiefel an, Tasche geschultert, Post in der einen, Schlüssel in der anderen Hand, als dein Handy klingelt und der Kumpel anruft ob das Kind nicht spielen kommen kann.

Bevor du dazu kommst die bedrohliche Post zu lesen, spielst du Kindertaxi und erledigst Einkäufe mit dem Geld aus der Kinderspardose, die voller ist, als dein Konto es jemals sein wird.

Auf dem Supermarktparkplatz hat jemand den Einkaufswagen gegen dein Auto gerammt, aber bei dem vielen Dreck fällt die Schramme ja Gott sei Dank nicht so sehr auf.

Wieder in heimischen Gefilden stolperst du über den „verf***ten scheiss Ranzen“ im Flur und entscheidest dich für Kaffee aus dem Latte-Glas, weil alle Tassen benutzt in der Spülmaschine sind, die du vor lauter Taxi-Heckmeck noch nicht anstellen konntest.

Endlich mit Kaffee auf dem Sofa angekommen, fällt dir die Post ein, du stehst wieder auf, rennst gegen die Ecke vom Schrank und humpelst halb heulend und fluchend mit einem gefühlt amputierten kleinen Zeh Richtung Post.

Kaum den Umschlag geöffnet, willst du auch schon heulen, da du nicht weißt wie du DAS jetzt auch noch bezahlen sollst, aber da klingelt auch schon wieder das Handy. Kindertaxi 2.0

Das Abendessen passt deinem Minigourmet natürlich nicht, da es kein Nutellabrot ist, also schickst du nach einer Stunde fröhlich dudelndem Kinderfernsehprogrammgenöle in Konzertlautstärke ein hungriges Kind ins Bett, dem just in dem Moment einfällt, dass es da doch noch Hausaufgaben gab.

Du schläfst um 21 Uhr mit Smartphone in der Hand und Kontaktlinsen in den Augen auf deiner Couch ein, weil du letzte Nacht ja auch nur 3 Stunden geschlafen hast, vor lauter Albträumen.

Und am nächsten Morgen, nachdem du um 2 Uhr nachts ins Bett umgezogen bist – ist der Tag vielleicht ein bisschen anders. Aber irgendwie genauso beschissen.

Diese Tage.

An denen man die guten Tage, die es mal gab, noch mehr vermisst.

Auch die überlebe ich. Bestimmt.

Die Frage ist nur wie. Ohne dich.

Kaffee.

Kaffee.

Du warst da.

Und bist geblieben.

Wir teilten uns den Kaffee am Morgen. Und noch so viel mehr.

Ist es das Koffein, dass mich nun einfach so „machen“ lässt, als hätte es all diese Lethargie nicht gegeben?

Du bist das Koffein. Der Katalysator.

Unser Glück.

Das mich weiter atmen lässt.

Du hast mich wieder in Gang gesetzt. Mit jedem deiner Atemzüge, den du mit mir geteilt hast, hast du das Leben in mir aktiviert.

Und du wirst es ebenso wieder zum Erliegen bringen.

Der bittere Nachgeschmack von kaltem Kaffee.

Danach.

Danach.

Würde dich wohl jemand informieren?

Würdest du zu meiner letzten Feier kommen?

Würdest du deine Sachen zurück haben wollen?

Würdest du dir die Schuld geben?

Würdest du dir wünschen mich nie gekannt zu haben?

Würdest du bereuen, dass deine letzten Worte „Ich lasse dich in Ruhe“ waren?

Würdest du in deinem zukünftigen Leben – ohne mich – etwas anders machen wollen?

Würdest du endlich, verdammt nochmal, aufwachen und anfangen zu LEBEN, wenn ich es nicht mehr tue?!

Würdest du mich auch danach noch lieben?

Kälte.

Kälte.

Eingepackt, Lage über Lage.

Nur wenige Zentimeter freie Haut bleiben übrig.

Ich trete ins Freie.

Ich bin gewappnet.

Ich spüre die Kälte.

Oberflächlich.

Sie erreicht nie meine unterste Schicht.

Aber die Kälte, die zwischen uns gewachsen ist, kümmert sich nicht um etliche Lagen wärmende Kleidung.

Sie durchdringt alles, bricht jeden Widerstand und kriecht tiefer in mich hinein als alles andere zuvor.

Sie nagt an der Erinnerung an dieses großes Glück.

Will sie erfrieren lassen.

Und ich stehe hilflos neben mir und kann nichts dagegen tun.

Vielleicht.

Vielleicht.

Vielleicht läufst du gerade ziellos allein durch die dunkle Nacht.

Vielleicht sitzt du aber auch mit ihr in einem kuschelig warmen Restaurant.

Vielleicht denkst du über dein kaputtes Leben nach und bedauerst dich selbst.

Vielleicht aber glänzen auch ihre Augen bei der Aussicht auf einen x-ten Neubeginn.

Vielleicht verschwendest du tatsächlich keinen Gedanken daran, was dieses Vielleicht mit mir macht.

Vielleicht bin ich genau deswegen mittlerweile so kaputt.

Wegen dem Vielleicht.

Zu viel vielleicht.

Zu viel für mich. Für uns.